Holzmöbel zu Hause
Jan 28

Langlebige Holzmöbel

1. Nimm ein Massivholz statt einem Holzwerkstoff

Betrachtet man Möbel nach ihrer Wirkung auf unsere Gesundheit so ist die Frage zunächst recht schnell geklärt. Noch heute werden in Holzwerkstoffen wie der Spanplatte, der OSB oder dem MDF mehr Formaldehyd eingesetzt als Holzspäne. Spanplatten stellen einen billigen Träger für Furniere dar. Bestenfalls sind diese Furniere aus Holz. In der billigen Variante ahmen sie eine Holzoptik nach und bestehen aus künstlichen Laminaten. Die CE-Kennzeichnung regelt zwar den Gehalt an Zusatzstoffen, diese sind aber nach Richtwerten der Bauökologie nicht streng genug angesetzt. Diese Zusätze sind nicht nur bei der Verarbeitung gefährlich, sie gasen sogar nachweislich über Jahre hinweg aus dem Möbel aus und schaden dem Menschen in dem sie die Raumluft beeinträchtigen die wir einatmen.

Für die Umwelt sind Span- und auch die beliebte MDF- Platte in Möbeln genauso schädlich, denn ihre einzelnen Bestandteile können nicht in den natürlichen Kreislauf rückgeführt werden. Auch ein Recycling kann in Einzelfällen nur unter großem Aufwand durchgeführt werden. Ich finde es sagt schon viel darüber aus, dass sie nicht in den Restmüll gehören und auch nicht auf die Straße. Denn dort können sich Stoffe z.B. durch Regen lösen und so direkt den Boden belasten. Stattdessen sollten die Platten bei der städtischen Deponie abgegeben werden. Sie werden dann als Sonder- bzw. gefährlicher Abfall eingestuft und entsprechend entsorgt. Doch im Endeffekt bleibt so ein Möbelstück für die Umwelt eine große Belastung. 

Für mich ist es schwer vorstellbar Möbelstücke mit jedem Umzug auszutauschen, ist doch ein Möbel ein Lebensbegleiter mit vielen Erinnerungen. Doch leider halten die Massenprodukte der Möbelindustrie den Anforderungen nicht stand. Ist erst einmal eine Delle in einem furnierten Möbel drin, sieht es nicht mehr so chic aus. Ganz anders sieht es bei einer Massivholzoberfläche aus. Diese kann einfach geschliffen werden und sieht danach wieder wie neu aus. Hinsichtlich dieser erheblichen Umweltschäden frage ich mich, wieso noch niemand auf die Idee gekommen ist, den Möbelherstellern die Verantwortung zur Entsorgung ihrer Abfälle zu übergeben. 

Was die Gesundheit betrifft, so kann jeder selbstwirksam dem entgegen steuern und sich für gesunde Möbel entscheiden. Klar, ist ein Möbel aus einem Massivholz in der Anschaffung erst mal teurer. Wenn man aber bedenkt, dass ihr es nie wieder austauschen müsst, oder aber auf Grund seiner Wertigkeit weiter verkaufen könntet, ist es am Ende doch kostengünstiger gegenüber einem billigen Massenprodukt. Ganz davon abgesehen von den Gesundungskosten die euch entstehen.  

 

2. Wähle ein heimisches Holz

Die heimischen Hölzer aus denen Möbel gefertigt werden können, lassen sich in zwei Kategorien teilen.

     1. Laubbäume _ Ahorn, Birne und Birke, Buche, Linde, Eiche und Esche, Erle, Nussbaum, Pappel, Robinie und Ulme

     2. Nadelbäume _ Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Zirbe und Douglasie

Wie ihr seht gibt es eine große Auswahl an heimischen Hölzern. Dies sind nur die bekanntesten. Sicher habe ich einige vergessen. Man kann sogar aus einigen Obstbäumen wie Apfel, Birne, Pflaume und Kirsche kleine Möbel oder Griffe herstellen. Aber warum ist es so wichtig Hölzer aus der Region zu wählen? 

Zwei Erklärungen gibt es dafür:

1. Wenn ein Keimling sich dazu entschließt an einem Ort seine Wurzeln in die Erde zu schlagen, zu wachsen und zu gedeihen, so passt er sich dem Klima an. Seine Genetik beruht genau auf den ihn umgebenden klimatischen Bedingungen. Diese Eigenschaften bleiben nach dem Fällen noch erhalten, weshalb möglichst darauf geachtet werden sollte, dass sich das Klima nicht zu stark verändert. Ansonsten schwindet das Holz, quillt auf oder es bilden sich Risse. Vielleicht habt ihr euch schon mal geärgert, weil eure Teakstühle gerissen sind. Jetzt wisst ihr wieso. 

2. Tropenhölzer waren lange beliebt und wurden schonungslos abgeholzt. Palisander wurde inzwischen durch das Washingtoner Artenschutzabkommen ( CITES ) streng geschützt. Doch noch heute gibt es Teakholz auf dem Markt, dessen Herkunft nicht nachvollziehbar ist. Grund dafür ist das unkontrollierte und illegale Abholzen der Bäume und die damit einhergehende Kriminalisierung der Menschen. Dabei werden Lebensräume von Tieren zerstört und Menschen vor Ort verlieren ihre Ernte mit der Trockenheit, die sich durch die Rodung ergibt. Denn Regenwälder speichern Wasser, wandeln CO2 in Sauerstoff um und sind somit unerlässlich für ein stabiles Weltklima. Hinzu kommen noch die  weiten Transportwege, die das Klima zusätzlich belasten. 

3. Achte auf das FSC-Siegel

Die hohe Nachfrage nach Holz macht auf allen Teilen dieser Erde keinen Halt vor der Zerstörung der Natur, einer wenig fachgerechten Bewirtschaftung der Flächen, rücksichtslosem Roden der Lebensgrundlage vieler Tiere und Menschen und einer Ausbeutung der Völker vor Ort.

Um diese Missstände einzudämmen wurde 1993 das FSC- ( FOREST STEWARDSHIP COUNCIL ) Siegel eingeführt. Es basiert auf zehn Prinzipien und 56 Indikatoren, die weltweit gültig sind und auf nationaler Ebene und den vorgefundenen individuellen Bedingungen umgesetzt werden. Es sichert die Nutzung der Wälder gemäß den sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedürfnissen und zwar für diese und zukünftiger Generationen.

In Deutschland steht der FSC für eine Waldwirtschaft, die den Wald nicht übernutzt, die biologische Vielfalt ( versus Monokultur ) fördert und die transparent handelt. Kahlschläge wie bei der regulären Holzernte sind untersagt. Es wird sicher gestellt, dass die Entnahme von Holz und Nicht-Holzprodukten ( Harz, Reisig, Beeren oder Pilze ) die Artenvielfalt, Produktivität und ökologischen Prozesse des Waldes schützt und erhält. Pestizide, die in der konventionellen Holzverarbeitung Anwendung finden, wie zum Beispiel das als gesundheitsgefährdend eingestufte Nervengift Cypermethrin, dürfen nur unter gesetzlich verordneter Ausnahme eingesetzt werden. FSC setzt sich für die Mehrung natürlicher Mischwälder, die Schonung des Waldbodens, für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme ein. Für die Menschen im Wald sichert FSC faire Entlohnung und mehr Bürgerbeteiligung im Wald. FSC-zertifizierte Wälder sind stabiler in einem sich wandelnden Klima und können als Ökosystem mehr CO² langfristig binden. Auch kühlen dichte Wälder besser und speichern Wasser um es an heißen Tagen durch Verdunstung abzugeben. Mit dem Kauf von Holz- oder Papierprodukten mit dem FSC-Label entscheidest du dich für einen nachhaltigen Umgang mit den Waldressourcen und leistest einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder auf der ganzen Erde. Auf der anderen Seite erhältst du die Sicherheit ein gesundes Produkt zu erhalten. 

Neben dem FSC gibt es auch das PEFC-Siegel. Dieses unterliegt nicht ganz so strengen Richtlinien und die Überprüfungen der Einhaltung finden nur sporadisch statt. Meine Empfehlung gilt daher ganz klar dem FSC-Siegel.

4.Leime auf Naturbasis:Knochen, Kasein, Naturharz

Natürlicher Leim wird seit Jahrhunderten verwendet. Noch heute werden einige dieser Leimrezepturen hergestellt wie zum Beispiel Knochenleim auf Basis von Tierknochen, Kaseinleim oder Baumharzleim. Möbel wurden bis ins 19. Jhd. ausschließlich mit natürlichen Leimen geklebt. Kein Wunder, liegen die Vorteile gegenüber einem synthetischen Leim klar auf der Hand:

  • unter Einsatz von Wärme kann eine Verleimung selbst 100 Jahre später wieder gelöst werden um so Reparaturen durchzuführen
  • Knochenleim kann nach der Produktion getrocknet werden und jederzeit durch Hinzufügen von Wasser wieder gebrauchsfähig   gemacht werden
  • umweltfreundlich sowohl bei Herstellung als auch bei der Entsorgung ( zu 100% abbaubar )
  • Absolut unbedenklich für die Gesundheit des Menschen

Erst mit der Industrialisierung und der damit einhergehenden Massenproduktion fand man über die Petrochemie einen billigen Weg künstliche Leime herzustellen. Kunstharzleime werden in zwei Kategorien unterteilt:

1. Leim mit wasserlöslichen Harnstoff-Formaldehyd, Melamin-Formaldehyd oder Phenol-Formaldehyd. Diese werden als toxisch eingestuft, weil sie noch Jahre nach der Verarbeitung ausgasen. Als flüchtige organische Verbindungen ( Volatile Organic Compounds. Kurz: VOC ) ausgewiesen, belasten sie nachweislich die Raumluft und somit die Gesundheit des Menschen.

2. Dispersionsleim (Weißleim) bei dem Kunstharze nicht in Wasser gelöst sondern als kleine Teilchen verteilt sind. Sie haben die Eigenschaft erst auszuhärten wenn das Wasser verdunstet oder im Werkstoff versickert. Das enthaltene Polyvinylacetat (PVAC) wird nach der Aushärtung als relativ unbedenklich eingestuft, wobei es hier zu wenige Studien gibt. Handwerkern empfehle ich daher bei der Verarbeitung die Arbeitsräume zu lüften und sicherheitshalber Handschuhe und ggf. eine Schutzbrille zu tragen. 

 

5.Oberfläche geölt, gewachst oder geseift

Der Markt für Massenmöbel bietet vermehrt furnierte Möbel und auch die mit lackierten Holzoberflächen an. Mit einer glatten Fläche wird der Eindruck vermittelt, sie sei leichter zu reinigen. Und wahrlich bleibt die Optik des lackierten Holzes lange erhalten, ist es doch versiegelt. Allerdings haben Möbel mit lackierten Oberflächen mehrere Nachteile gegenüber einem unbehandelten Holz. Lacke enthalten Lösemittel, die auch nach dem Trocknen an die Raumluft und somit an den Menschen abgeben werden. Lack ist ein Kunststoffüberzug und dieser lädt sich statisch auf und zieht Staub an. Ist die Oberfläche einmal beschädigt, kann sie nicht mehr repariert werden. Eine verkratzte Lackfläche kann durch eindringende Feuchtigkeit abplatzen. Wärme und Sonne können zu Vergilbungen und unschönen Flecken führen. Aber das wichtigste Merkmal ist wohl, dass die positiven Eigenschaften des Holzes, nämlich Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen, durch die Versiegelung komplett verloren gehen. 

Anders verhält es sich bei Massivholzmöbeln die unbehandelt, geölt, geseift oder gewachst sind. Diese bleiben offenporig, was nicht nur ein Plus für die Langlebigkeit des Möbelstücks bedeutet. Auch das Raumklima wird deutlich aufgewertet, weil die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften erhalten bleiben und weil das Holz auch nach dem Schlagen CO2 aus der Raumluft bindet. Wenn Euch die unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen interessieren, kann ich gern in einem anderen Beitrag detaillierter darauf eingehen. 

Übergeordnet ist zu sagen, dass sowohl das Seifen, Ölen und auch das Wachsen die Natürlichkeit des Holzes beibehält. Kleine Dellen, Kratzer oder Verfärbungen lassen sich durch einfaches Schleifen reparieren. Somit erhält man ein Möbelstück das in seiner Langlebigkeit und Wertigkeit unübertreffbar ist. Und das ist aus meiner Sicht eins der wichtigsten Kriterien für den Umgang mit den Ressourcen dieser Erde.