Aug 10

Von der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Raum

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Von der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Raum

Bestimmt hast du es auch schon mal bemerkt: du betrittst einen Raum und fühlst dich sofort wohl. Andererseits gibt es Räume, die möchtest du schon auf der Türschwelle wieder verlassen. Warum ist das wohl so?

Im heutigen Beitrag erzähle ich dir, warum beim Thema Bauen und Wohnen fast jede*r mitreden kann, warum Räume uns Menschen beeinflussen können und was du Grundlegendes tun kannst, um eine Umgebung für dich zu erschaffen, die dich in deiner Lebensenergie stärkt.

Das Bauen erfüllt ein Grundbedürfnis des Menschen 

Wenn es um das Bauen des eigenen Zuhauses oder um das Einrichten geht, hat so ziemlich jede*r eine Vorstellung davon, wie er wohnen möchte.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung, die in der Evolutionsbiologie zu finden ist:                                                                        

Vor über 12.000 Jahren legten die Menschen das Nomadentum nach und nach ab und begannen sesshaft zu werden. Sie fingen an Viehzucht zu betreiben und Acker anzulegen. Dieser Prozess dauerte mehrere tausend Jahre.

Und in dieser Zeit wurden die ersten Behausungen errichtet, die aus dem Grundbedürfnis entstanden, sich vor Witterung und vor Tieren zu schützen.

Und je nach vorherrschendem Klima wurden die in der Natur vorgefunden Materialien zum Bauen verwendet. Das waren Holz, Steine, Erde, Lehm, Reisig, Gräser wie Schilf oder Stroh und auch Felle und Wolle der Tiere.

So gesehen haben sich die Menschen die Natur ins Haus geholt.

Und dabei, das finde ich sehr bezeichnend, konnte jeder Mensch sein Haus selbst planen und bauen. Dahen sahen die Häuser sehr individuell aus, trotz ähnlicher Baumaterialien in einer Region.

Drei Erkenntnisse können wir daraus ziehen:

  • Wir sind alle naturverbunden.
  • Das Wohnen erfüllt in uns das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit.
  • Das Bauen seiner eigenen Behausung erfüllt das Bedürfnis nach persönlichem Ausdruck.

Diese drei Bedürfnisse gehören zu den Grundbedürfnissen, die evolutionsbedingt weiter getragen wurden und die jeder in sich trägt.

Mit zunehmender kultureller und sozialer Entfaltung haben sich die Menschen nach Ihren Interessen unterschiedlich entwickelt. Es entstanden weitere Wohnbedürfnisse nach Intimsphäre, Kommunikation und Komfort.

Wo wir herkommen und wie wir aufgewachsen sind, formt unsere Konstitution. Je nachdem wie wir unseren inhaltlichen Fokus setzen, wie wir fühlen und denken, wie wir handeln, so setzt jeder ganz unterschiedliche Schwerpunkte in der Erfüllung seiner Bedürfnisse. Das macht uns zu Individuen. Oder kurz gesagt:

Wir sind alle gleich und doch sind wir sehr verschieden.

Was hat das alles mit dem Raum zu tun, in dem du lebst?

Waren wir früher als Nomaden ausschließlich der Natur ausgesetzt, so verbringen wir heute 90% unserer Zeit in umschlossenen Räumen. Wir leben, lernen und arbeiten in Räumen, wir bewegen uns in ihnen auf der Straße zwischen Häusern, im öffentlichen Raum und auf öffentlichen Plätzen.

Für mich als Innenarchitektin ist es ganz natürlich, dass Räume, egal ob bewusst oder unbewusst, permanent auf unser Lebensgefühl einwirken. Doch leider leben wir in einer schnelllebigen, technikdominierten Zeit, die sich mit alltäglichen Fragen und Problemen ablenkt und keinen Platz mehr für das Bewusstsein von Athmosphären lässt. Oft heißt es dann, die Kopfschmerzen wären der Arbeit geschuldet, oder man hätte zu wenig getrunken.

Wie fühlt sich aber der Raum an, in dem du dich gerade aufhältst? Hast du den Eindruck von Weite oder Enge? Beleben dich die Farben oder langweilen sie dich? Ist es kalt oder warm? Riecht es gut im Raum? Kannst du die Tastatur noch hören? Stresst dich der klebrige Bürosessel? Bist du vielleicht gerade müde?

Während du über diese Fragen nachdenkst, hat dein Körper alle Informationen längst verarbeitet.

Denn wir nehmen Räume mit allen Sinnen wahr – ob wir wollen oder nicht.

Dass Räume in uns entweder Unwohlsein oder Behaglichkeit auslösen können, zeigt welchen Einfluss sie auf uns haben.

Demnach hängt unser Wohlbefinden maßgeblich von der Gestaltung dieser Lebensräume ab.

Was liegt also näher, als unser Wohn- und Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass es uns unterstützt und fördert?

Was kannst du tun um eine Umgebung zu erschaffen, die dich in deiner Lebensenergie stärkt?

Viele Interiordesigner folgen aktuellen Trends oder Styles. Im Grunde ist dies kein falscher Ansatz. Aber er hat wenig mit deiner eigenen Individualität zu tun.

Die Art, wie wir Bauen und Wohnen, ist ein Ausdruck unserer Persönlichkeit. Ein Raum gibt uns somit Informationen über uns und unsere momentane Lebenssituation. Tatsächlich wird der Raum dabei zu deinem Spiegel.

Wahrscheinlich ist dies der Tatsache geschuldet, dass wir Menschen soziale Wesen sind und alles in Beziehung zueinander bringen. Und so gehen wir auch eine Wechselbeziehung zu Räumen ein.

Man könnte auch sagen: “Alles ist Energie”! Und das ist keine spirituelle Weisheit, sondern physikalische Erkenntnis. Und einer ihrer populärsten Vertreter ist Albert Einstein.

Und auf Basis dieser Sichtweise steht alles, was auf dieser Erde entstanden ist, inklusive uns Menschen, in Verbindung zueinander. Das heißt, der Mensch bildet mit der Umgebung eine Einheit. Das bedeutet nicht nur, dass man an deinen Lebensräumen erkennen kann, wie und wer du bist, sondern auch dass sich dein Verhalten an ihnen anpasst.

Deshalb plädiere ich nicht nur für eine gesunde und nachhaltige Raumplanung, sondern auch für eine bedürfnisorientierte. Wenn man die evolutionsbedingten und kulturell geprägten Wohnbedürfnisse für sich erkennt, hat man eine gute Basis. 

Zusammenfassend:

  • das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit
  • und das Bedürfnis nach dem eigenen Ausdruck
  • das Bedürfnis nach Kommunikation
  • das Bedürfnis nach Intimsphäre
  • und das Bedürfnis nach Komfort

Und wenn du dich besser kennst, dann kannst du auch deine Räume so gestalten, dass sie zu deinen ganz individuellen Bedürfnissen passen und zu deinen Kraftorten werden.

Wenn du noch tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, so hilft es, dich mit dir selbst zu verbinden statt nach außen zu schauen. Und zu hören, was deine Bedürfnisse sind, denn sie sind ja immer da. Sie machen dein Wesen aus.

Möchtest du wissen was deine Wohnbedürfnisse sind, weißt aber nicht so recht wie du das angehen sollst? Brauchst du Unterstützung oder möchtest du deine Räume umplanen oder ein Haus kaufen oder gar selbst bauen? Gerne helfe ich dir dabei deine Wohnbedürfnisse aufzudecken, um für dich eine Lebenswelt zu erschaffen kannst, die dich in deiner Individualität stärkt.

1 Kommentar

  1. […] wir dazu an die Anfänge des Bauens (darüber spreche ich ausführlich in der Folge 2: Von der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Raum). Dann lässt sich feststellen, dass die ersten Behausungen dazu dienen sollten, uns vor Witterung […]

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