Okt 27

Wie du dir ein Zuhause erschaffst, in dem du dich rund um wohl fühlst. Teil 2

Warum eine gesunde Luftqualität unser Wohlbefinden stärken kann

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Wie du dir ein Zuhause erschaffst, in dem du dich rund um wohl fühlst - Teil 2

In Teil 1 habe ich erzählt, was ein gesundes Raumklima mit einem behaglichen Zuhause zu tun hat. Ihr habt erfahren, dass es vier grundlegende Einflussfaktoren gibt; nämlich:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Luftqualität und
  • Elektroklima

Ich bin im Detail auf die Lufttemperatur und die Luftfeuchtigkeit eingegangen und habe euch Tipps an die Hand gegeben wie ihr diese zum Positiven beeinflussen könnt.

Und heute möchte ich auf die Luftqualität eingehen.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Warum die Art der Wärmequelle zu deinem Wohlbefinden beitragen kann
  • Warum Frischluft nicht nur unseren Räumen gut tut
  • Was deine Möbel mit einer gesunden Raumluft zu tun haben

Warum die Art der Wärmequelle zu deinem Wohlbefinden beitragen kann

Es ist allgemein bekannt, dass die Heizung für unser Raumklima verantwortlich ist – wird sie in unseren Breitengraden zu fast 2/3 der Jahreszeit genutzt. Die wenigsten wissen allerdings, dass unter der Bezeichnung Heizungsklima mehr als nur die Raumlufttemperatur gemeint ist. Wenn ihr über eine neue Heizungsanlage nachdenkt, achtet darauf, dass nicht nur die Energiekosten im Fokus stehen, sondern auch eure Gesundheit. Wer sich jetzt erhofft von mir den einen ultimativen Tipp zu bekommen, welche Heizung er wählen soll, der wird vielleicht enttäuscht sein.

Eine gute Orientierung liefern euch die Verhältnisse im Freien. Die Sonne gibt Strahlungswärme ab und kann somit den menschlichen Körper selbst bei Frost gut durchwärmen. Das kennt ihr bestimmt von einem Spaziergang im Winter. Obwohl die Luft um uns herum kalt ist, ist es in der Sonne warm. Und das tolle dabei ist, dass die Temperaturunterschiede von Kopf bis Fuß ganz gering gehalten werden.

Im Gegenzug erwärmen Konvektionsheizungen die Luft durch das Pusten. Ihr kennt das bestimmt von den klassischen Heizkörpern. Wenn man die zur Herbstsaison anschmeißt, dann riecht es erst mal komisch und Staub wird aufgewirbelt. Das ist einer der negativen Auswirkungen.

Und auf der anderen Seite ergeben sich sehr große Temperaturunterschiede von Kopf bis Fuß. Oben ist nämlich die Luft warm und unten kalt.

Und das ist schon fast das Geheimnis. Welche Heizungsart es dann letzten Endes sein soll, steht immer in Abhängigkeit zu der Bauweise und den Baumaterialien und natürlich zu den Bedürfnissen der Nutzer.

Checkliste: Kriterien für eine gesunde Heizung 

  • hoher Anteil an Strahlungswärme
  • niedrige Oberflächentemperatur der Heizkörper (max. 70 Grad Celsius)
  • niedrige Temperaturgradienten (max. 2 Grad Celsius Differenz zwischen Luft- und Oberflächentemperatur der umgebenden Flächen)
  • keine thermische Monotonie (im Gegenteil: unterschiedliche Temperaturen in den einzelnen Räumen trainieren das Immunsystem)
  • keinen Elektrosmog verursachend
  • leichte Regulierbarkeit
  • Individuelle Bedürfnisse sollen beachtet werden.
  • einfache Reinigung (sollte kein Staubfänger sein)
  • nicht geruchsbelästigend
  • keine Geräuschbelästigung
  • klimagerechte Abstimmung mit dem gesamten Baukörper und dessen Orientierung
  • Reduzierung der Materialfeuchte

Und wenn ihr euch unsicher seid mit der Auswahl der optimalen Heizung, empfehle ich euch an dieser Stelle eine*n baubiologische*n Energieberater*in zu fragen. Denn diese*r ist in der Lage alle Komponenten zu berücksichtigen, die ein gesundes Raumklima fördern. Und er/sie kann euch auch bei den Förderanträgen unterstützen.

Für alle, die in ihren Wohnungen Heizkörper, also Konvektionsheizungen stehen haben, gibt es im letzten Beitrag einige Tipps zur Raumluftfeuchte die ihr beachten könnt. Und da das Thema Staub in Kombination mit dieser Heizungsart eine große Rolle spielt, lohnt es sich weiter dran zu bleiben.

Luft ist nicht gleich Luft

Eine oft unterschätzte Voraussetzung für ein gutes Raumklima ist die ausreichende Versorgung mit Frischluft. Die Frischluft, die wir atmen, besteht aus rund 21 Prozent Sauerstoff, 78 Prozent Stickstoff und ein Prozent Edelgase und anderen Spurenelementen. Hingegen besteht die Luft, die wir ausatmen, im Schnitt bei ruhigen Tätigkeiten aus vier Prozent Kohlendioxid und kann bei intensiven Körperbewegungen sogar auf 30 Prozent ansteigen. Sicher kennst du das auch: du sitzt in einem Büro mit vielen netten Kollegen, aber zum Mittag hin wird es immer schwerer, sich zu konzentrieren und du kannst es vor lauter Müdigkeit kaum bis zur Mittagspause aushalten. Dann ist es endlich soweit, ihr öffnet die Fenster und plötzlich kommt ein kühler Windzug, der die ersehnte Erfrischung bringt. In gewerblich genutzten und öffentlichen Gebäuden, dazu zählen Büros und auch Schulen, regelt eigentlich die Arbeitsstättenverordnung die erforderliche Luftwechselrate. Damit ist der Austausch von verbrauchter kohlendioxidhaltiger Luft gegen frische sauerstoffhaltige Luft gemeint. Das klappt mal mehr mal weniger.

Warum ist eine gesunde Raumluft wichtig für uns?

Aber was, wenn du zu Hause bist, vielleicht auch im Homeoffice und niemand deine Frischuftversorgung überprüft? Dann kann das folgende Nachteile mit sich bringen:

  • mangelnde Sauerstoffversorgung im Körper und der Organe
  • Verminderung der Konzentration
  • Kopfschmerzen
  • Leistungsabfall
  • Geruchsbelästigung durch eine zu hohe Konzentration an Luftschadstoffen bei entsprechenden Baustoffen und Möbeln
  • fehlender Ausgleich der Raumluftfeuchte
  • hohe Staubentwicklung

Und so gibt es für private Haushalte eine empfohlene Luftwechselrate. Diese steht in Abhängigkeit zu der Bauweise, also zur Dichtigkeit des Gebäudes, weshalb es sich lohnt hier genauer hinzuschauen. Und das tun wir jetzt mal.

Welche Lüftung ist die bessere

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen zwei Lüftungsarten.

  • die mechanische Lüftung durch zusätzliche Lüftungsanlagen
  • die manuelle Lüftung (also händisch durch uns)
  1. Generell ist es in einem Neubau empfehlenswert eine Lüftungsanlage zu integrieren. Denn diese versorgt nicht nur deine Räume mit Frischluft, manche können sogar Staub herausfiltern. Ist das nicht der Fall, kannst du nachträglich Abluftventilatoren oder eine automatische Fensterlüftung einbauen lassen. Das hat damit zu tun, dass Neubauten viel dichter gebaut werden als unsere Altbauten es jemals sein werden. In Altbauten sorgen die Kastenfester für einen Luftwechsel.

    Ganz wichtig an dieser Stelle:

    Lüftungsanlagen sind nicht mit Klimaanlagen zu verwechseln, die gleichzeitig zur Lufterwärmung und Abkühlung genutzt werden. Sie kommen häufig in Mehrfamilienhäusern oder gewerblichen Bauten zum Einsatz. Sie sind sehr wartungsintensiv, sollten nur von geschulten Fachkräften gepflegt werden, da sie nicht selten Biozide oder gechlortes Wasser zur Pilzbekämpfung enthalten, die in falscher Dosierung Gesundheitsschäden verursachen. Bei nicht ausreichender fachgerechter Wartung besteht die Gefahr der Schimmelbildung.

  2. Wenn du keine Lüftungsanlage hast und manuell lüftest, dann empfehle ich dir ein CO2 Messgerät. Du wirst staunen, wie schnell der Sauerstoffgehalt im Raum verbraucht ist und du durch einfaches kurzes Stoßlüften wieder Frischluft bekommst. Als ein guter Grenzwert hat sich ein CO2 Gehalt von 0,08% oder 800 ppm bewährt. Ich persönlich mag es gern frisch, daher öffne ich die Fenster bereits bei 600 ppm. Und der Wechsel von warm zu kalt trainiert unseren Körper und macht ihn widerstandsfähig. Manche Geräte können dir auch die VOC-Werte ausweisen. Dann bekommst du auch gleich einen Überblick darüber, ob der zugelassene Grenzwert an Schadstoffen noch im grünen Bereich liegt.

Schadstoffe als Indikatoren deiner Raumluftqualität

Damit komme ich auch schon zum nächsten Faktor, der einen Einfluss auf deine Raumklima hat: Die Luftqualität!

Neben dem Verlust von Sauerstoff und der Erhöhung des Kohlendioxidgehalts kann deine Raumluft mit Schadstoffen belastet sein. Diese Schadstoffe kommen einerseits von draußen, das sind dann zum Beispiel Feinstäube in der Stadt oder Pestizide auf dem Land.

Aber auch im Innenbereich tummeln sich leider noch viel zu viele Schadstoffe. Manchmal sind die Konzentrationen sogar höher als an manch viel befahrener Straße. Sie kommen aus Kosmetikprodukten, Putzmitteln, aber auch aus Baustoffen und Möbeln.

Die bekanntesten Quellen dafür sind:

  • Löse- und Konservierungsmittel in Wandfarben und Lacken
  • Aldehyde wie Formaldehyd als Bindemittel in Holzwerkstoffen
  • Weichmacher in Kunststoffen, Dicht- und Fugenmassen
  • Halogenierte Flammschutzmittel in Sofapolstern
  • Imprägniermittel zur Wasserabweisung in Textilien
  • Insektizide und Biozide in Teppichen

Die Liste ist lang und wird stetig erweitert (REACH). Diese Stoffe sind anorganischer Herkunft und können im menschlichen Organismus Schäden verursachen, die von Hautreizungen, über Unfruchtbarkeit, Erbgutschäden und Krebs reichen. Dabei muss man gar nicht mal mit ihnen in Kontakt kommen. Sie dünsten aus, setzen sich in der Raumluft fest und werden vom Menschen eingeatmet.

Wie du Schadstoffe in der Raumluft reduzierst

Achte darauf, möglichst viele natürliche Materialien zu verwenden. Das ist im sichtbaren Bereich gar nicht so schwer. 

  • Wandfarben auf Wasserbasis und ohne Konservierungsmittel
  • Massivholzmöbel statt Möbel aus Holzwerkstoffen
  • naturbelassene, geseifte oder geölte Möbel
  • Bodendielen statt Stäbchenparkett
  • Linoleum statt Laminat ( dabei solltest du auch auf den Kleber achten )
  • statt PVC oder Acryl lieber Teppiche aus Sisal, Jute, natürlicher oder pflanzengefärbter Wolle und ohne Pestizide
  • Sofabezüge und Vorhänge aus Baumwolle, Wolle, Leinen oder Hanf
  • Sofapolster aus Naturlatex, Wolle oder Kapok

Im unsichtbaren Bereich wie zum Beispiel bei Bindemitteln von Holzwerkstoffplatten oder auch Sofapolstern, die meist schon mit dem Bezug vernäht sind, rate ich meistens nach einer Volldeklaration bei den Herstellern zu fragen.

Denn Bindemittel können über mehrere Jahre ausdünsten und so die Raumluft belasten. Als Beispiel sei hier das Formaldehyd zu nennen, das man heute noch in Möbeln aus den 60er Jahren nachweislich messen kann.

Leider sind immer noch die meisten Sofas auf dem Markt mit dem extrem umweltschädlichen Polyurethan gepolstert. Polyurethan ist zwar in ausgehärteter Form nicht gesundheitsschädlich.

Allerdings gibt das in Polyurethan enthaltene Isocyanat bei einem möglichen Brand hochgiftige Gase ab. Daher werden die Polster nicht selten mit halogenhaltigen Flammschutzmitteln behandelt. Diese anorganischen Flammschutzmittel schädigen nachgewiesenermaßen das menschliche Nervensystem.

In meinem Beitrag „Was hat ein Sofa mit einer gesunden Raumluft zu tun?“ findest du Hersteller, die ausschließlich natürliche Materialien in ihren Sofas verbauen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Tipps mitgeben, wie ihr euch ein behagliches Zuhause mit gesunden Räumen erschafft, in denen ihr regenerieren könnt und die euch stärken.

Denn wie ihr wisst, wir stehen immer in einer Wechselbeziehung zu unseren Räumen. Wie wir uns unsere Räume erschaffen, so erschaffen sie auch uns. Manchmal sind es nur kleine Veränderungen, die aber große Wirkungen haben. Probiert es mal aus.

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